Kurzkettige Fettsäuren (engl. Short-Chain Fatty Acids, SCFAs) sind Fettsäuren mit einer kurzen Kohlenstoffkette. Zu den wichtigsten kurzkettigen Fettsäuren im menschlichen Darm gehören Acetat (Essigsäure), Propionat (Propionsäure) und Butyrat (Buttersäure). Zusammen machen diese drei Fettsäuren etwa 95 % der im Darm gebildeten kurzkettigen Fettsäuren aus (1,2).
Welche kurzkettigen Fettsäuren gibt es?
Acetat ist die am häufigsten vorkommende kurzkettige Fettsäure und macht etwa 60 % der Gesamtmenge aus. Propionat und Butyrat folgen mit jeweils etwa 20 %. Dieses Verhältnis ist jedoch nicht bei jedem Menschen gleich und kann unter anderem von der Zusammensetzung des Darmmikrobioms und der Ernährung beeinflusst werden (1,2).
Wie entstehen kurzkettige Fettsäuren im Darm?
Kurzkettige Fettsäuren entstehen vor allem, wenn bestimmte Darmbakterien Ballaststoffe fermentieren (3). Ballaststoffe, die nicht vollständig verdaut werden, gelangen in den Dickdarm und dienen dort bestimmten Mikroorganismen als Substrat.
Vereinfacht gesagt:
Ballaststoffe → Fermentation durch Darmbakterien → kurzkettige Fettsäuren
Eine ballaststoffreiche Ernährung stellt dem Darmmikrobiom somit wichtige Substrate für die Bildung von Acetat, Propionat und Butyrat zur Verfügung.
Kurzkettige Fettsäuren sind daher ein spannender Forschungsbereich an der Schnittstelle zwischen Ernährung, Darmmikrobiom und Stoffwechsel.
Was haben kurzkettige Fettsäuren mit Postbiotika zu tun?
Kurzkettige Fettsäuren wie Acetat, Propionat und Butyrat entstehen unter anderem als Stoffwechselprodukte von Darmbakterien. Deshalb werden sie häufig im Zusammenhang mit Postbiotika und dem Darmmikrobiom untersucht.
Während Probiotika lebende Mikroorganismen enthalten, stehen bei Postbiotika nicht lebende Mikroorganismen und deren Bestandteile im Mittelpunkt. Stoffwechselprodukte wie Propionat sind davon begrifflich zu unterscheiden, spielen in der Postbiotika-Forschung jedoch ebenfalls eine interessante Rolle.
Mehr über die Unterschiede erfährst du in unserem Artikel„Probiotika, Präbiotika und Postbiotika: Unterschiede, Wirkung und Risiken“.
Quellen:
1. Topping, D. L., & Clifton, P. M. (2001). Short-chain fatty acids and human colonic function: roles of resistant starch and nonstarch polysaccharides. Physiological reviews, 81(3), 1031–1064. https://journals.physiology.org/doi/full/10.1152/physrev.2001.81.3.1031; letzter Zugriff: 20.01.2025
2. Bolognini D, Tobin AB, Milligan G, Moss CE. The Pharmacology and Function of Receptors for Short-Chain Fatty Acids. Mol Pharmacol. 2016;89(3):388-398. https://eprints.gla.ac.uk/119569/1/119569.pdf; letzter Zugriff: 20.01.2025
3. Reichardt N, Duncan SH, Young P, et al. Phylogenetic distribution of three pathways for propionate production within the human gut microbiota [published correction appears in ISME J. 2014 Jun;8(6):1352]. ISME J. 2014;8(6):1323-1335. https://academic.oup.com/ismej/article/8/6/1323/7582554?; letzter Zugriff: 20.01.2025