Wirkung, Immunsystem und Vitamin-D-Versorgung
Vitamin D ist ein wichtiger Nährstoff für den menschlichen Körper und trägt unter anderem zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Es wird größtenteils mithilfe von Sonnenlicht in der Haut gebildet. Darüber hinaus kann Vitamin D über die Nahrung und bei Bedarf über Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden.
Besonders in den sonnenarmen Monaten kann die körpereigene Bildung von Vitamin D eingeschränkt sein. Auch Menschen, die sich nur wenig im Freien aufhalten oder ihre Haut nur selten der Sonne aussetzen, können weniger Vitamin D über die körpereigene Synthese bilden.
Was ist Vitamin D?
Vitamin D gehört zu den fettlöslichen Vitaminen und nimmt im Körper verschiedene wichtige Funktionen ein. Eine Besonderheit besteht darin, dass der Körper Vitamin D unter dem Einfluss von UVB-Strahlung selbst in der Haut bilden kann.
Ausgangssubstanz ist dabei 7-Dehydrocholesterol. Das zunächst gebildete Vitamin D durchläuft anschließend mehrere Umwandlungsschritte, bevor die biologisch aktive Form entsteht (1).
Neben der körpereigenen Synthese kann Vitamin D auch über die Ernährung aufgenommen werden. Da nur wenige Lebensmittel natürlicherweise größere Mengen Vitamin D enthalten, kann die Versorgung, abhängig von individuellen Faktoren, unterschiedlich ausfallen.
Welche Rolle spielt Vitamin D für das Immunsystem?
Vitamin D ist eng mit verschiedenen Prozessen des Immunsystems verbunden. Es trägt laut zugelassenem EU-Health-Claim zur normalen Funktion des Immunsystems bei.
Darüber hinaus gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die sich mit der Rolle von Vitamin D bei der Regulation verschiedener Immunprozesse beschäftigen. Unter anderem wird untersucht, wie Vitamin D die angeborene Immunantwort und die Bildung bestimmter antimikrobieller Proteine stimuliert (1,2).
Dabei ist es wichtig, zwischen wissenschaftlich untersuchten biologischen Zusammenhängen und zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben zu unterscheiden. Für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel dürfen in der Europäischen Union nur entsprechend zugelassene Health Claims verwendet werden.
Vitamin D und das Immunsystem im Alter
Mit zunehmendem Alter kann sich die körpereigene Vitamin-D-Synthese verändern. Unter anderem kann die Fähigkeit der Haut, Vitamin D unter dem Einfluss von UVB-Strahlung zu bilden, abnehmen. Hinzu kommen mögliche Veränderungen des Lebensstils, beispielsweise weniger Zeit im Freien.
In diesem Zusammenhang wird in der wissenschaftlichen Literatur auch der Begriff „Inflamm-Aging“ verwendet. Er beschreibt altersassoziierte Veränderungen des Immunsystems und eine zunehmende niedriggradige Entzündungsaktivität. Der Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Status, Alterungsprozessen und chronischen Entzündungen wird wissenschaftlich untersucht (3).
Eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung ist daher insbesondere im Hinblick auf die normale Funktion des Immunsystems und weitere physiologische Prozesse relevant.
Vitamin D und die zugelassenen Health Claims
Für Vitamin D sind in der Europäischen Union verschiedene wissenschaftlich geprüfte und zugelassene gesundheitsbezogene Angaben festgelegt. Dazu gehören unter anderem:
- Vitamin D trägt zu einer normalen Aufnahme und Verwertung von Calcium und Phosphor bei.
- Vitamin D trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Calciumspiegels im Blut bei.
- Vitamin D trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei.
- Vitamin D trägt zur Erhaltung einer normalen Muskelfunktion bei.
- Vitamin D trägt zur Erhaltung normaler Zähne bei.
- Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
- Vitamin D hat eine Funktion bei der Zellteilung.
Diese Angaben beziehen sich auf die normale physiologische Funktion von Vitamin D und sollten nicht mit Aussagen über die Behandlung oder Vorbeugung von Erkrankungen gleichgesetzt werden.
Wie wird der Vitamin-D-Status bestimmt?
Der Vitamin-D-Status lässt sich über eine Blutuntersuchung bestimmen. Als geeigneter Marker gilt die Konzentration von 25-Hydroxyvitamin D [25(OH)D] im Blutserum. Sie berücksichtigt sowohl Vitamin D aus der Ernährung als auch Vitamin D, das der Körper selbst bildet (4,5).
Die individuelle Vitamin-D-Versorgung kann von verschiedenen Faktoren abhängen. Dazu gehören beispielsweise:
- Jahreszeit und Aufenthaltsdauer im Freien
- UVB-Exposition
- Hauttyp und Alter
- Ernährungsgewohnheiten
- individuelle Lebensweise
- bestimmte Erkrankungen oder gesundheitliche Faktoren
Gerade in den Wintermonaten ist die körpereigene Vitamin-D-Bildung in Deutschland aufgrund der geringeren UVB-Strahlung eingeschränkt. Auch Menschen, die sich überwiegend in geschlossenen Räumen aufhalten, können weniger Vitamin D über die Haut bilden.
Wie viel Vitamin D braucht der Körper?
Der Vitamin-D-Bedarf lässt sich nicht allein über die Ernährung oder die körpereigene Synthese bestimmen, da die Vitamin-D-Bildung in der Haut stark von individuellen und saisonalen Faktoren abhängt.
Die D-A-CH-Referenzwerte geben für Erwachsene einen Schätzwert von 20 µg Vitamin D pro Tag an, sofern keine körpereigene Vitamin-D-Synthese stattfindet (7).
Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Person täglich 20 µg Vitamin D über Nahrungsergänzungsmittel einnehmen sollte. Ob eine Supplementierung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der individuellen Versorgung und den jeweiligen Lebensumständen ab.
Vitamin D im Alltag: Darauf kommt es an
Eine gute Vitamin-D-Versorgung hängt von mehreren Faktoren ab. Regelmäßige Aufenthalte im Freien können zur körpereigenen Vitamin-D-Bildung beitragen. Gleichzeitig kann die Versorgung insbesondere in den Wintermonaten oder bei eingeschränkter Sonnenexposition schwieriger sein.
Bei Unsicherheit über die persönliche Vitamin-D-Versorgung kann eine ärztliche Beratung und gegebenenfalls eine Bestimmung des 25(OH)D-Wertes sinnvoll sein.
Quellen:
- Shakoor, H., Feehan, J., Al Dhaheri, A. S., Ali, H. I., Platat, C., Ismail, L. C., Apostolopoulos, V., & Stojanovska, L. (2021). Immune-boosting role of vitamins D, C, E, zinc, selenium and omega-3 fatty acids: Could they help against COVID-19? Maturitas, 143, 1–9. Immune-boosting role of vitamins D, C, E, zinc, selenium and omega-3 fatty acids: Could they help against COVID-19? - Maturitas; letzter Zugriff: 20.01.2025
- Jeffery, L. E., Burke, F., Mura, M., Zheng, Y., Qureshi, O. S., Hewison, M., Walker, L. S., Lammas, D. A., Raza, K., & Sansom, D. M. (2009). 1,25-Dihydroxyvitamin D3 and IL-2 combine to inhibit T cell production of inflammatory cytokines and promote development of regulatory T cells expressing CTLA-4 and FoxP3. Journal of immunology (Baltimore, Md: 1950), 183(9), 5458–5467. https://journals.aai.org/jimmunol/article/183/9/5458/81810/1-25-Dihydroxyvitamin-D3-and-IL-2-Combine-to; letzter Zugriff: 20.01.2025
- Ferrucci, L., & Fabbri, E. (2018). Inflammageing: chronic inflammation in ageing, cardiovascular disease, and frailty. Nature reviews. Cardiology, 15(9), 505–522. https://www.nature.com/articles/s41569-018-0064-2; letzter Zugriff: 20.01.2025
- Holick M. F. (2007). Vitamin D deficiency. The New England journal of medicine, 357(3), 266–281. https://www.nejm.org/doi/abs/10.1056/NEJMra070553; letzter Zugriff: 20.01.2025
- Linseisen, J., Bechthold, A., Bischoff-Ferrari, H. A., Hintzpeter, B., Leschik-Bonnet, E., Reichrath, J., Stehle, P., Volkert, D., Wolfram, G., & Zittermann, A. (2011). Stellungnahme: Vitamin D und Prävention ausgewählter chronischer Krankheiten (Korrigierte Version). Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). https://www.dge.de/fileadmin/dok/wissenschaft/stellungnahmen/DGE-Stellungnahme-VitD-210803.pdf; letzter Zugriff: 20.01.2025
- Bundesamt für Strahlenschutz (BfR) (2022), Bildung des körpereigenen Vitamin D, https://www.bfs.de/DE/themen/opt/uv/wirkung/akut/vitamin-d.html#:~:text=Im%20Winter%20sinkt%20der%20Vitamin,D%2DSpiegels%20im%20Blutserum%20kommen; letzter Zugriff: 20.01.2025
- D-A-CH (2015). Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährung. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 2. Auflage, 1. Ausgabe 2015, Neuer Umschau Buchverlag.
- BVL/BfArM (2016) Stellungnahme der Gemeinsamen Expertenkommission BVL/BfArM. Bewertung von Vitamin-D-haltigen Produkten (01/2016) Revision 1.1 (2017). BVL/BfArM, 16. Februar 2017. www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/01_Lebensmittel/experten-kommission/Zweite_Stellungnahme_VitaminD_Revision1.1.pdf?__blob=publicationFile&v=3; letzter Zugriff: 20.01.2025